Karate-SV-Expert Lehrgänge 2018

Nach dem dritten Teil der Karate SV Expert Reihe von Christian Wedewardt und seinem Karate-Praxis-Team möchte ich hier mal eine Zwischenbilanz ziehen, und um mein Urteil vorweg zu nehmen: Es ist der Hammer!


Sinn und Zweck der Karate SV Expert Reihe ist nicht, den Teilnehmern SV-Techniken beizubringen; diese Lehrgänge richten sich im Gegenteil an Leute, die bereits Fortgeschritten sind und sich auf einem hohen Niveau noch weiter verbessern möchten. Hierzu liefert Christian eine gut strukturierte Systematik und beleuchtet das Thema der Selbstverteidigung von verschiedenen Seiten, sodass die Kursteilnehmer in der Lage sind, ihr eigenes SV-Training noch besser und zielgerichteter zu gestalten. Abgerundet wird die Veranstaltung durch Gastbeiträge, zu denen zum Beispiel auch „Schnupperkurse“ im MMA und im Krav Maga gehörten, um sein eigenes Karate auch zu hinterfragen und im Kontext der modernen Kampfsportarten zu vergleichen.

Für mich als Trainer bieten diese Lehrgänge jedoch nicht nur die Möglichkeit, die Inhalte von Christian kennenzulernen, sondern eben auch den Austausch mit anderen Dan-Trägern und Trainern, die das Angewandte Karate vorantreiben und gestalten möchten. Im Gegensatz zur „Sportart“ Karate, die sich über viele Jahre mithilfe der Sportwissenschaften effektive Trainingsmethoden aneignen konnte, ist es ungemein schwieriger, ein effektives Training im Angewandten Karate zu leiten. Wie zeige ich den Schülern effektive SV-Techniken mit dem gleichzeitigen Rückschluss auf die Kata, wie lehre ich die Spiritualitätdes Karate und verweise gleichzeitig auf die buddhistischen und daoistischen Aspekte, kurzum: Wie führe ich ein ganzheitliches Karate-Training für diejenigen, die nicht an einem wettkampforientierten Training interessiert sind? All das sind Fragestellungen, auf die es bis heute noch keine ausgereiften Antworten gibt – aber die Lehrgangsreihe von Christian hilft mir als Trainer ein gutes Stück weiter!

Mein bisheriges persönliches Highlight war die Diskussion am dritten Lehrgangstag, wo ein reger Austausch über das Karate-Training von morgen und die Popularität von Krav Maga und anderen SV-Systemen stattfand. Auffällig war, dass viele Teilnehmer davon berichteten, dass ein modernes, angewandtes Karate-Training zu oft von den „Traditionalisten“ – zumindest denjenigen, die behaupten, traditionelles Karate zu betreiben – blockiert wird.

Exkurs zur Tradition im Karate

Das gemeinhin als „traditionell“ bezeichnete Karate entwickelte sich im Rahmen der Japanisierung und der Einführung des Wettkampfsystems im Karate im frühen 20. Jahrhundert – bei der mindestens jahrhundertelangen Geschichte des Karate kann dies jedoch in keinster Weise als traditionell bezeichnet werden. Es ist vielmehr anzunehmen, dass das Karate als Selbstverteidigungssystem in einer deutlich gefährlicheren Zeit entstanden ist, und dass das traditionelle Karate-Training den Fokus auf die Anwendung gelegt hat. Die Kata dient hierzu als Gedankenstütze, damit der Lernende sich die Prinzipien besser merken und auch alleine die Bewegungsabläufe üben kann.

Bei Bedarf können wir gerne ein Gespräch darüber führen, sodass ich euch das genauer erklären kann 😉

-ds

Alles in allem spreche ich hiermit eine klare Empfehlung für diese Lehrgangsreihe und auch alle anderen Lehrgänge von Christian aus. Bitte schaut euch auch mal seine Homepage an und lest euch seine Gedanken zum Karate durch!

Ich freue mich schon auf den nächsten, abschließenden Teil der Reihe im Juni! 🙂

-ds