Felix Leicher startet bei der Hochschul-EM in Portugal

Henrik Wittenborn Bielefeld(WB).
Ein lockeres Posieren für die Kamera? Nicht mit Felix Leicher! Mit größter Konzentration »läuft« der Karateka des KC Sennestadt seine so genannte Kata im Dojo an der Paderborner Straße. Für den 23-Jährigen wird es allmählich ernst: Ende des Monats startet er bei der Hochschul-Europameisterschaft in Portugal.
In zehn Tagen, am 23. Juli, wird sich Leicher auf den Weg in Richtung Lissabon machen. Unweit der portugiesischen Hauptstadt wird er um die Europameisterschaft der Studierenden kämpfen. Mit welchen Erwartungen der Sennestädter, der sich dank eines dualen Studiums bei der Berufsgenossenschaft im Bereich Unfallversicherung für Hochschulmeisterschaften auf nationaler und internationaler Ebene qualifiziert hat, gen Süden fliegt, kann er selbst kaum abschätzen. »Solche Wettkämpfe sind ein großes Überraschungsei, weil man nie weiß, auf wen man dort treffen könnte.«
Sicher ist für Leicher nur, dass er mit der Hochschul-EM noch eine Rechnung offen hat: Bereits vor zwei Jahren hatte er sich für die Titelkämpfe in Montenegro qualifiziert. Damals wurde er allerdings in der heißesten Vorbereitungsphase von einer Verletzung gestoppt und musste seine Hoffnungen auf eine vordere Platzierung früh begraben. »Ich trainiere auf meine beste Leistung hin und fahre nicht dorthin, um nur zu starten«, gibt sich Leicher vorab selbstbewusst. Zurecht: Erst vor einigen Monaten gewann er bei der Deutschen Meisterschaft die Bronzemedaille.
Was Leichers Sport nicht nur bei den Wettkämpfen in Portugal so besonders macht: Als Starter in der Kategorie Kata trifft Leicher in k.O-Duellen zwar auf einen Kontrahenten, kommt mit seinem Gegner allerdings gar nicht in Kontakt. Bei der Kata laufen die Karateka eine festgelegte Abfolge von Tritten und Schlägen in einer Art Choreografie. »Der Gegner existiert nur im Kopf«, erklärt Leicher. Nachdem beide Sportler ihre Kata gelaufen haben, entscheiden fünf Kampfrichter darüber, welcher der beiden Karateka die bessere Leistung gezeigt hat.
Gerade im Wettstreit mit der europäischen Spitze werde es laut Felix Leicher also auf Kleinigkeiten ankommen. »Man muss sich den Gegner wirklich vor seinem Auge vorstellen, auch wenn er nicht da ist. Bei der Bewertung zählen auch Dinge wie Mimik oder Ausdruck des Sportlers.« Von 27 festgelegten Katas in seinem Kampfstil Koshinkan beherrscht Leicher rund zehn auf Wettkampfniveau. Und gerade weil innerhalb einer Kata viele Abläufe schon vorgegeben seien, gelte es, Kleinigkeiten zu finden, um sich von der Konkurrenz abzuheben.
Ohne monatelange Vorbereitung geht in seinem Sport folglich nichts. Seine Trainingseinheiten muss Leicher dabei allerdings nicht nur im Dojo in Sennestadt abspulen. Neben dem Einstudieren der Katas stehen auch immer wieder Kraft- und Athletiktraining auf dem Programm. »Das ist eine Fleißarbeit und braucht sehr viel Geduld«, sagt Leicher verschmitzt. Seine Laufbahn begann er unterstützt von seinem Vater bereits mit sechs Jahren. Schnell wurde Leichers Talent offensichtlich und das Training sogar ins eigene Wohnzimmer verlegt. »Dabei ist aber nie etwas zu Bruch gegangen«, versichert er lachend. Das Ende seiner Entwicklung ist noch lange nicht absehbar. Wieder so eine Eigenart des Karate: »Man ist nie perfekt . . .«